Frühlingsfest (27.04.2012)

 

 

Frühlingsfest

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(27.04.2012)

 

Wo ist der Dirigent, der dieses Chaos schließlich eint?

Und wo der dreiste Komponist?

Ein Grundton, nein, kein Takt,

ungleichmäßiges Rauschen vielmehr,

von den Fahrzeugen auf der Schnellstraße.

Lichtorgelspiel der Scheinwerfer im Vordergrund,

schnell, chaotisch und dahinter, die Lichter der Stadt.

Standhaft bringen sie Ruhe in das Bild

und versuchen, das hektische Treiben in ein Stillleben zu verwandeln.

 

Dann - Glockenspiel!

Erst eine, dann eine zweite und viele mehr.

Die Kirchen spielen ihren Part.

Sie fügen sich ein in das Stück, mit ihrem wuchtigen Klang,

und fast erzeugen sie Gänsehaut auf den Armen.

Jemand hupt, irgendwo in der Nacht bellt ein Hund

und leise, ganz leise im Hintergrund - Schreie.

Ein wildes Musizieren auf den Instrumenten des Molochs.

 

Und dann, ganz unerwartet, ein lauter Knall.

Ohrenbetäubend lässt er uns erzittern und fährt durch Mark und Bein.

Dann Stille, bis auf den Grundton, der sich zu wehren scheint.

Wieder ein Knall.

Ein Farbenschwall ergießt sich über den nächtlichen Himmel,

wie ein Tsunami, der das Land verschlingen will.

Er fesselt unsere Blicke: das Glitzern und Funkeln und die tausend bunten Sterne,

die sich wie ein Regenschauer über unseren Köpfen ausbreiten.

Aber sie verglühen, bevor sie uns erreichen können.

 

Finale: immer mehr, immer schneller, immer lauter...

ein letzter Knall!

 

Das Feuerwerk ist zu Ende

und das Orchester verfällt zurück in seine übliche Monotonie.

 

Das Frühlingsfest hat begonnen.

 

 

Florian Greuling

 

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