Burggeflüster (11.02.2012)

 

 

Burggeflüster

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(11.02.2012)

 

Dicke Mauern, kalter Stein,

zum Schutz gebaut vor vielen Jahren.

So wandle ich durch breite Flure

und frag mich, wie die Zeiten waren...

 

...als königliche Herrenschaften

in diesen Prunkgemächern schliefen.

Wie viele Magier hier verweilten

und welche Geister sie wohl riefen?

 

Welcher Herrscher hier wohl lebte,

wer ihm seine Roben webte,

welches Reich der Reiche schützte

und wer den Arm der Armen stützte?

 

Welch Ritter stand auf dieser Brüstung,

das Sonnenglitzern auf der Rüstung?

Welch Feindesheer drang durch die Wälder,

über das Land und weite Felder?

 

Welch Grauen in der Folterkammer?

In den Gewölben hallt Gejammer,

während des Hofnarrs frohe Lieder

im Festsaal tönen immer wieder.

 

Junge Frauen sind versprochen,

auch wenn dabei manch´ Herz gebrochen,

an fremder Länder große Herren,

die sie in ihre Schlösser sperren.

 

Krankheit, Not und das Gesinde,

verstreut wie feiner Sand im Winde,

besuchte jeden Tag der Tod,

die Lehensbürger in der Not.

 

Ich schrecke auf und nehm die Hand

von dieser eisig kalten Wand,

die mir den kurzen Blick gegeben

in ein längst vergangenes Leben.

 

 

Florian Greuling

 

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